Philippe Poutou nutzte die für ihn womöglich letzte TV-Debatte, um die aussichtsreichen Kandidaten zu demontieren. „Seit Januar werden wir von François Fillons Skandalen überschwemmt und je mehr wir ermitteln, desto mehr Betrug und Korruption finden wir“, sagte Poutou. „Wenn Sie ihre Familienmitglieder aus Steuergeldern bezahlen, denken Sie nicht an die öffentlichen Schulden, für die Arbeiter ständig sparen sollen.“

Mit seiner Rede gegen den konservativen Kandidaten Fillon, gegen den wegen Scheinbeschäftigung seiner Ehefrau ermittelt wird, landete Poutou einen Volltreffer – die Zuschauer klatschten zum ersten und einzigen Mal während der fast vierstündigen Debatte und auch in den sozialen Netzwerken wurde er als Held gefeiert.

Zweieinhalb Wochen vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahl kamen erstmals alle elf Präsidentschaftskandidaten zu Wort. Poutou, Arbeiter in einer Autofabrik, äußerte, was wohl viele Franzosen in den vergangenen Monaten dachten: „Wir sind bedient mit euren Skandalen.“

Zugleich teilte Poutou gegen Marine Le Pen aus, die sich weigert, wegen möglicher Scheinbeschäftigungen ihrer Mitarbeiter vor den Ermittlungsrichtern zu erscheinen und dies mit ihrer Immunität als EU-Abgeordnete begründet: „Wir Arbeiter werden für eine Pfandflasche entlassen. Wir haben keine Immunität.“

François Fillon und Marine Le Pen waren die Verlierer des Abends: Fillon machte einen abgeschlagenen Eindruck, nachdem er wegen der Vorwürfe in Umfragen abgesackt ist. Sein stärkstes Argument war ein schwaches: „Viele Ermittlungsverfahren gegen Parlamentarier wurden wieder eingestellt.“ Le Pen beschuldigte die Moderatorinnen, parteiisch zu sein und sie übergebührlich zu unterbrechen. So kennen wir es schließlich aus unseren TV-Debatten auch. Was nicht mit der NWO ist, wird medial totgetrampelt.

Einig waren sich alle Kandidaten darin, dass Frankreich seine Größe in der Europäischen Union ausspielen solle. „Wir stellen 18 Prozent der europäischen Wirtschaftskraft, wir können uns gegen den deutschen Sparkurs auflehnen“, sagte Jean-Luc Mélenchon, der linke Kandidat, der sich mit seinem großen Redetalent (Hitler hatte dies auch)  zuletzt in Umfragen auf 15 Prozent und damit nah an Fillon geschoben hat. In Frankreich gilt die deutsche Bundesregierung als Antreiberin einer unbeliebten Sparpolitik und wird als gemeinsamer Gegner debattiert.

Sozialist Hamon gab sich optimistisch, dass die Deutschen ihr „Spardiktat lockern“ und es Frankreich damit ermöglichen werden, mehr Geld in Schulen, Krankenhäuser und Straßenpolizisten zu investieren. „Der deutsche Hoffnungsträger Martin Schulz“ habe eingeräumt, dass der deutsche Reichtum auf der Verarmung anderer Länder basiere, behauptete Hamon über seinen Parteikollegen von der SPD. „Deutschland wird einen großen demokratischen Sprung machen und gemeinsam können wir Europa verändern“, sagte er weiter. Der zuletzt auf rund zehn Prozent geschrumpfte Kandidat Hamon wartet bislang vergeblich auf seinen Schulz-Effekt in Frankreich, hat allerdings auch den Zug verpasst und nicht mitbekommen, dass Schulz hierzulande schon wieder als Kanditat überdacht wird. Gerade wenn es an Themen der Vetternwirtschaft und eigene Taschen füllen geht, ist Schulz als Negativbeispiel dabei. Gerad auch deshalb war der Vergleich Hamons mit Schulz in genau dieser Debatte ein Schuss ins eigene Knie!

Favorit Emmanuel Macron, der sich allen Umfragen zufolge in der zweiten Wahlrunde ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Le Pen liefern dürfte, konnte punkten mit einem entschiedenen Ja zu Europa und einer Warnung vor Le Pen: „Mit ihrem Ausstieg aus dem Euro sinkt die Kaufkraft, Jobs werden kaputtgehen und ökonomische Kriege ausbrechen. Ihr Nationalismus bedeutet Krieg.“ Er hat anscheinend noch nicht vor die Haustür geschaut, denn dort ist schon längst Krieg. Er tobt seit Monaten in den Straßen von Paris, aber man kann es ja mal medial umdrehen, denn die Masse ist ja dumm!

.

.

.

.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..